Interview im Big-O-Studio

Den Olaf Obsommer und den Jens Klatt bekam die Margret vor`s virtuelle Mikro ! Na, dann sind ma mal gespannt auf die Welt aus Nußdorf'scher Perspektive ...

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Margret: Monday Morning at the Big-O Office (Foto der Woche auf www.kajak.at 52/03)– da könnte man ja klatt neidisch werden ...Bei diesem Foto hat mich, ehrlich gesagt, schon ganz schön der Neid gepackt und ich dachte mir, wie auch damals beim Anblick des bunten Völkchens bei der WM in Graz: Diese Paddler scheinen den Dreh für ein Leben im free-style heraussen zu haben:

Gibt´s auch Nachteile, oder ist das alles wirklich der Big Fun, den uns Bürohengsten diese Fotos vermitteln ?

Jens: Nein, nein, dieses Bild verschönt die ganze Situation ein wenig. Allein vom Paddeln können die wenigsten Paddler leben - wir verdienen unsere Brötchen als Fotojournalist bzw. Videofilmer. Vor dem Computer verbringen wir im Endeffekt mehr Zeit als auf dem Wasser. Trotzdem bleibt wenig hängen und so gibt&aucute;s schon mal Probleme, wenn das Auto verreckt und das Konto leer ist. Alles in allem kann ich mich aber nicht beklagen.

Olaf: Unsere Macs haben wir auch auf unseren Trips dabei, so entsteht der eine oder andere Clip schon mal vor Ort in Norwegen. Gerade Regentage und andere Zwangspausen werden oft vor dem Laptop verbracht. Der "Arbeitstag" auf dem Fluss dauert oft 6-8 Stunden. Olli und ich haben letztes Jahr für die Wellerbrücke 4 Stunden benötigt. Wir waren mit 2 Kameras unterwegs und sind manche Stellen mehrmals gepaddelt, damit der Schnitt interessant gestaltet werden kann. Normalerweise paddeln wir die Wellerbrücke in 40 Minuten. Aber solange es Spaß bereitet, empfinde ich das Filmen nicht als Arbeit.

Jens Klatt Porträt

Olaf Obsommer Porträt

Jens Klatt und ...... Big`O Olaf Obsommer

Margret: Was empfindet Ihr, wenn Ihr den Begriff "fun generation" hört ? In Österreich gab´s ja kürzlich Aufruhr, als die Bildungsministerin den Slogan "Babys statt Partys" ausgab.

Jens: Im Grunde trifft diese Bezeichnung zu: Viele Junge Menschen haben keine Perspektiven, keine Lust zu arbeiten, und suchen ihren Spaß auf Partys.
Andere, vom Manager bis hin zum gut verdienenden Fabrikarbeiter, wollen einen attraktiven Ausgleichssport zum tristen Alltagstrott, und suchen sich so genannte Fun-Sportarten. Diese werden immer populärer, man könnte sagen sie sind modern. Sie werden durch ausgeklügelte Werbekampagnen verkauft und der breiten Masse zugänglich gemacht. Sportarten wie Snowboarden, Surfen, Inlineskaten sind längst keine Randsportarten mehr. Ich glaube, man kann schon sagen, dass wir in einer Spaß-Gesellschaft leben. Aber trotzdem muss man arbeiten, um sich den "Spaß" auch leisten zu können.

Olaf: So lange der Mensch seine Pflichten in der Gesellschaft und gegenüber seiner Familie erfüllt, kann er doch so viel Spaß-Fun konsumieren wie er möchte. Wie wäre es mit dem Slogan "Paddeln statt Arbeiten"?

Margret: Werden Paddler jemals "erwachsen" oder bleiben sie immer White Water Fendrichs ? (Dank BILD-Zeitung kennt Ihr ja, nehme ich an, unseren Gold- Raini und seine momentane Befindlichkeit.)

Olaf: BILD-Zeitung? Kenn ich nich, aber "erwachsen sein" ist doch, wenn Mensch Dinge nicht mehr tuten tut, weil er denkt das darf er nicht mehr, da er erwachsen ist. Ich war ja jahrelang Punkrocker, aber auf Dauer war das ganz schön anstrengend, d.h. ich bin wohl erwachsen, oder?

Jens: ?

Olaf Obsommer Helmkamera

Olaf at work mit Helmkamera

Margret: Wann gilt man als Paddler eigentlich als "überwuzzelt", Komposti oder Verwesi - oder gibt´s bei Euch keinen "Altersstress" ?

Jens: Man ist so alt wie man sich fühlt... Das Tolle am Kajaksport ist ja, dass man sich im Alter trotzdem noch betätigen kann. Wem WW zu stressig wird, der setzt sich ins Tourenboot oder in den Kanadier, und bringt seinen Kinder das Paddeln bei. Man kann immer neue Aufgaben finden, immer neue Flüsse entdecken. Niemand kann in seinem Leben alle Flüsse unseres Planeten paddeln...

Olaf: Wenn die Rückenschmerzen länger als 24 stunden andauern.

Margret: Wie ist das so mit Mädels auf grosser Tour, bemüht man sich da auch schon mal um Völkerverständigung oder geht Ihr nach dem Motto vor: Selbst ist der Mann und solang ich 2 gesunde Hände hab ?

Olaf: Zwei gesunde Unterarme meintest du doch, oder?

Jens: Völkerverständigung gerne – aber nicht wenn mein Mädel zu Hause wartet. Aber Paddeln ist ja fast so schön wie Sex, und wenn du nach acht Stunden vom Bach kommst, legst du außer am Kochlöffel nirgendwo mehr Hand an... (zum Kochen!)

Olaf Obsommer Valldola

Jens Klatt Arahura

Olaf stürzt am Valldola und ...... Jensen wheelt am Arahura.

Margret:Wie hat man sich das Leben in Eurer WG in Nutvillage, Bavaria, vorzustellen ? Wer saugt Staub, kocht, wäscht ab, lüftet die Tuchenten (österreichisch für Bettdecken mit Füllung) ? Gibt´s da ein Reglement ? Wie weit seid Ihr da mit der "Emannzipation" ?

Olaf: Meine letzte Putzfrau und Bügelfrau musste ich entlassen, ihr wisst ja wie das mit der heutigen Fun Generation ist, die wollen alle Kohle, aber nicht arbeiten dafür. Dementsprechend schaut es nun auch unter meinem Bettchen aus.

Jens: Da wir momentan drei Jungs und ein Mädel sind, funktioniert die klassische Rollenverteilung "Frauen an den Herd – Männer in den Garten" nicht wirklich. Wir haben da keine genauen Regeln, jeder macht das, was er gerade für richtig hält. Momentan ist gerade Willy Kern bei uns. Er kann nach einem kleinen Ski-Unfall nicht mehr richtig laufen und wird nun von uns als Haussklave gehalten.

Margret: Ist Eurer Meinung nach was dran an dem Spruch "Unter einer kleinen Steppdecken kann ein großer Depp stecken" ?

Jens: Ehrlich gesagt, höre ich diesen Spruch heute zum ersten Mal. Aber spontan denke ich da an einige "Paddelstars", die aufgrund ihrer Sponsorverträge mit Rasierklingen unter den Armen rumlaufen, als seien sie der P. Diddy des Paddelsports. Eigentlich lachhaft, wenn man bedenkt wie klein gerade die deutsche Paddelszene im Vergleich zum Skifahren ist.
Auch in der Kajakindustrie backen die meisten Hersteller kleine Brötchen, da ist für große Sponsorgelder kein Platz. Blicken wir zurück aufs Paddle Power: Es konnte sich nicht halten, da 1.) zu wenig Gelder durch Anzeigenkunden rein kam, und b.) weil es in der Natur des Paddlers liegt, selbst bei einem Preis von 5 DM noch um Rabatt zu feilschen. Das Schlimme ist, dass dies die gleichen sind, die dann Emails schreiben wie toll doch das PP doch war und warum wir aufhören mussten.
Kurz gesagt, es gibt mehrere Arten von Deppen unter Steppdecken: Die, die sich zu toll fühlen, und die, die alles billiger haben wollen. Im Endeffekt schaden beide dem Paddelsport.

Olaf: Je älter ich werde, um so geringer wird meine Frustrationstoleranz den Steppdeckendeppen gegenüber. Aber Deppen sind überall zu finden und manchmal ist man selber ein ganz schöner Depp. Also nicht so nachtragend sein, das sind die schlimmsten Deppen. Was gibt es noch zum Thema Deppen?

Margret: Wie geht Ihr mit der Angst um, gibt´s die ?

Jens: Angst eigentlich nicht im ursprünglichen Sinne, eher im Sinne von Respekt. Wenn ich Angst vor dem Fluss oder einer Stelle habe, steige ich in der Regel nicht ins Boot. Ein gesunder Respekt vor der Naturgewalt Wasser fährt aber immer mit. Er lässt den Körper wie eine Maschine funktionieren: Du denkst nicht, du handelst. Angst blockiert deine Entscheidungen und lässt dich vergessen, was du kannst. Hast du sie nicht unter Kontrolle, denkst du zuviel – und das Handeln steht hinten an. Allerdings funktionieren diese ganzen Philosophien nur, wenn du dein Boot beherrschst, dir sicher bist, dass die gewählte Linie in deinen technischen Möglichkeiten liegt und du dich dabei nicht überschätzt.

Ach ja, ich habe höllische Angst vor Siphonen...

Olaf: Kann Big O Angst bekommen? Unmöglich! Angst vor dem Tod habe ich nicht, denn wie jeder gute Christ komme ich natürlich in den Himmel. Dort ist sowieso alles besser. Steht so geschrieben, oder? Manchmal frage ich mich nur, warum die ganzen Menschen so an ihrem Leben hängen, wenn sie doch, wie gesagt, irgendwann an einen Ort kommen, wo den ganzen Tag die Sonne scheint? Richtige Angst habe ich vor Rückenschmerzen und meiner Schwiegermutter.

Olaf Obsommer Norwegen

Olaf posiert vor den Fällen des Eksindal.

Margret: Denkt Ihr an Morgen oder, wie meine Mutter immer zu sagen pflegte, "Nur von Zwölfe bis Z´mittag"?

Jens: Wir wissen, dass wir nur solange vom Paddeln leben können, wie wir es schaffen immer vor Ort zu sein. Mein Vorteil zu professionellen Fotografen ist ja, dass ich genau da hin komme, wo die Musik spielt – also in tiefe Schluchten und andere entlegende Winkel, wo man eben nur mit einem Kajak hinkommt. Wenn dem nicht mehr so ist, wird es auch schwer neue Motive vor die Linse zu bekommen.
Deswegen wäre es dumm zu sagen, wir machen weiter bis ans Ende unserer Tage. Aber ich denke, ich weiß, in welche Richtung ich mich weiter entwickeln will.

Olaf: Ich finde es ist schon ein ganz schön komplexer Ablauf bis Z´mittag das Konzept des Lebens zu planen. Spaaaaaass beiseite, mein Businessplan reicht bis 2006. Ist natürlich streng geheim, aber es wird mehr Touren-Kanadier und Seekajakpaddeln zu sehen sein. So viel kann ich verraten und natürlich viel Wildwasser und Rodeo. So, jetzt wollt ihr bestimmt wissen was der Jens WILL: Auf seinem Schreibtisch lagen die Casting-Unterlagen für "Böse Jungs" Teil 2, aber psssssst...

Margret: Was sagt Ihr, nun mit gehörigem Abstand, zu Graz (zur WM natürlich) ?

Jens: Rodeo is dead, sorry. Ich war zwar nicht vor Ort, aber die Videoaufnahmen haben mir die Füße einschlafen lassen. Rodeo muss sich dringend weiter entwickeln: Weniger Paddler, kürzere Runs, mehr Risikobereitschaft. Wie komplex eine Cartwheel Session in so einer riesigen Walze wie in Graz ist, verstehen Außenstehende nicht. Sie sehen bloß einen Helm, ein Paddel und, wenn alles gut geht, sogar noch was vom Boot. Rodeo muss nachvollziehbarer sein, und medienwirksamer werden - mehr Veranstaltungen wie in Lyon müssen her.

Olaf: Rodeo-Wettkämpfe langweilen mich noch mehr als Frauenfußball.

Margret: Wie entsteht ein Projekt ? Von der aller ersten Idee bis zur Ankunft im Vortragssaal (im Telegrammstil , word rap ?)

Jens: Meist im Auto.

Olaf: Unter der Steppbettdecke.

Margret: Welche Träume träumt Ihr gerade ?

Jens: Mmm, ich habe für mich persönlich alles erreicht, was ich erreichen wollte. Ich habe meine Bilder in viele Kalender und Magazine bekommen, und wenn ich die Resonanz richtig deute, gefallen sie sogar dem ein oder anderen. Die Faszination „Paddeln“ für andere Menschen zugänglich zu machen war und ist meine Mission. Ich bin viele Flüsse gepaddelt, habe andere Länder und Kulturen kennen gelernt, Freunde gefunden. Das alles sind Erfahrungen, die mir keiner mehr nehmen kann. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht mehr genau, in welche Richtung ich noch träumen soll. Vielleicht von DEM Paddelfoto, das Abenteuer, Spaß, Schönheit, Freundschaft und krasse Action auf einem Bild vereint. Irgendwann will ich aber auch mal Geld verdienen, und nicht nur kurz vor dem Bankrott herumvegetieren.

Olaf: Einmal im Leben möchte ich als Frau aufwachen und dann paddeln gehen und schauen, ob die Männer wirklich so schlimme opportunistische Kopulatoren sind.

Olaf Obsommer Tysselva

Jens Klatt Spanemfossen

Olaf bei der Arbeit und ...... Jens beim Vergnügen.

Margret: Neue Projekte, Zukunft?

Olaf: Bowron Lakes, Homatko, Skook und Slave sollen das Programm der Filmtour 2005 füllen. Die Bowron Lakes gelten als eine der 10 besten Kanadiertouren der Welt. Der Homatko ist neben dem Stikine einer der aufregendsten Wildwasserexpeditionen in Kanada. Er entspringt am größten Gletscher B.C. und fließt durch das Gebiet mit der höchsten Grizzly-Population in Kanada. Der Slave bietet die gewaltigsten Stromschnellen in Kanada und besten Spielstellen der Welt. Skook ist eine Gezeitenwellen mit magischer Energie. Davor möchte ich nach Korsika und ins Zentralmassiv und nach Norwegen und und ... fun fun fun!

Jens: Ich arbeite gerade an einem Norwegen-Buch. Eine Mischung aus Reiseführer, Flussführer und Bildband. Es wird ein dickes, riesiges Buch, mit Geschichten rund ums Paddeln, unzähligen bunten Bildern, alles was man über Norwegen wissen muss, und natürlich – Massen von Flussbeschreibungen. Ich hoffe, dass ich das in den nächsten Monaten fertig bringe.

Big-O-Brothers
Nussdorf Studios 2004

Danke Jungs und viel Spaß und Glück auf allen (Wasser)Wegen wünschen Euch Margret und die kajak.ateler !

Und wer noch mehr von den beiden wissen und sehen möchte, der tauche einfach rein auf www.big-o-productions.com !

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